Geschichte

Das Areal hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Jahrzehntelang war hier der Standort der Sauerstoff-Fabrik, welche vielen Personen aus der Region Arbeit bot. Nach der Schliessung lag das nunmehr ehemalige Industrieareal viele Jahre brach. Nun soll es zu neuem Leben erweckt werden.

Die am 17. April 1909 gegründete Firma "Sauerstoff- & Wasserstoff-Werk Luzern AG" (swwl) installierte an der Fruttstrasse in Luzern die erste Luftzerlegungsanlage der Schweiz und errichtete im Jahr 1912 das erste Acetylen-Dissous-Werk der Schweiz in Horw LU. Zweck des Unternehmens war die Herstellung von komprimierten und flüssigen Gasen und der Vertrieb solcher Gase sowie der zu ihrer Verwendung notwendigen Apparate.

Das Aufkommen der autogenen Metallbearbeitung (Gasschmelzschweissen) wurde ermöglicht durch die grosstechnische Erzeugung des Calciumcarbids im Jahr 1892 und damit der Grossentwicklung von Acetylen im Jahr 1897. Durch die Gewinnung von Sauerstoff aus Luft konnte die Verbrennungsluft beim Schweissen durch reinen Sauerstoff ersetzt und die Flammtemperatur und damit die Leistungsfähigkeit der Flamme erheblich gesteigert werden. Im Jahr 1914 standen schon über 1‘000 Schweissapparate in der Schweiz in Betrieb und verdrängten damit immer mehr die Vernietung und Verschraubung.

Am 3. Februar 1923 zerstörte eine Explosion das Acetylen-Dissous-Werk in Horw. Daraufhin wurde dieser Standort aufgegeben und als Ersatz aus frachttechnischen Gründen der Standort Rotkreuz als Kreuzungsstelle der SBB-Gotthardlinie mit der Linie Luzern-Ostschweiz für die Produktion von Acetylengas gewählt. Im Oktober 1925 wurde der Einwohnerrat der Gemeinde Risch über dieses Vorhaben informiert. Zu diesem Zweck kaufte die swwl am 9. März 1926 in der Nähe des Bahnhofes Rotkreuz insgesamt 12‘000 m2 Land.

Fast gleichzeitig eröffnete die swwl in Winterthur-Harzach ein weiteres Acetylen-Dissous-Werk. Acetylen-Dissousgas braucht zu seiner Erzeugung Wasser und Calciumkarbid. Damals noch existierende Karbidfabriken lieferten ihr Produkt in Blechtrommeln von je 100 kg per Bahn. Das Acetylen-Werk Rotkreuz lag kaum 300 m vom damaligen Güterbahnhof entfernt. Das nötige Wasser bezog das Werk aus dem parallel zur Strasse fliessenden Kanal, der um 1890 zur Entwässerung erstellt worden war.

Im Jahr 1937 wurde das Ensemble an frühindustriellen Bauten durch ein Magazin erweitert. Im Jahr 1957 wurde in Winterthur-Harzach das Acetylen-Dissous-Werk vergrössert. Ebenso konnte der Abfall aus der Acetylenproduktion d.h. der Karbidkalk, durch eine Winterthurer Firma zu Bausteinen und Isolierplatten verarbeitet werden. Ebenso erwarb die swwl 1965 in Kriens-Obernau drei Parzellen zum Bau eines Acetylenwerkes. Das führte zur Einstellung der Produktion von Acetylen-Dissous-Gas in Rotkreuz und zum Verkauf der Liegenschaft im Jahr 1966. Bis Mitte der 80er Jahre nutzte die Tyro AG mit Sitz in Buochs NW die Räumlichkeiten zur Leimproduktion.