Die Suurstoffi, seit 1925 am Atmen.

Die Geschichte der Suurstoffi reicht zurück bis anfangs des letzten Jahrhunderts. Allerdings begann sie nicht in Rotkreuz, sondern in Luzern. Dort wurde 1909 die Firma «Sauerstoff- & Wasserstoff-Werk Luzern AG» (swwl) gegründet, welche die schweizweit erste sogenannte Luftzerlegungsanlage produzierte. Vier Jahre später baute das Unternehmen in Horw das erste Acetylen-Dissous-Werk, wo das Wasserstoff-Werk komprimierte und flüssige Gasse produzierte und die zur Gasverwendung benötigten Apparate vertrieb. Mit dem Aufkommen der Gasschmelzschweisstechnik und später der Verwendung von reinem Sauerstoff beim Schweissen florierte das Unternehmen entsprechend. 1923 setzte jedoch eine Explosion im Acetylen-Dissous-Werk dem prosperierenden Geschäft in Horw ein Ende.

Standortvorteil Rotkreuz

Aus logistischen Gründen entschloss sich die Wasserstoff-Werk Luzern AG für den neuen Standort Rotkreuz – ideal gelegen zwischen der Gotthard- und der Luzern-Ostschweiz-Linie. Auf einem über 10 Hektaren grossen Areal baute das Unternehmen 1926 einen langgezogenen Sichtbacksteinbau, in dem gar nie Sauerstoff, sondern hauptsächlich Acetyl produziert wurde. Fast gleichzeitig eröffnete die swwl in Winterhur ein weiteres Acetylen-Dissous-Werk, das 1957 stark ausgebaut wurde und fortan das Abfallprodukt Karbidkalk aus der Acetylproduktion von einer Winterthurer Firma zu Bausteinen und Isolierplatten verarbeiten liess. Die Stärkung des Winterthurer Standorts sowie in den 60er-Jahren der Bau eines weiteren Werkes in Kriens-Obernau führten zur Stillegung des Werkes und zum Verkauf im Jahre 1966. Danach wurde es bis in die 80-er Jahre still um das Suurstoffi.

 

 

Zug Estates haucht neues Leben ein

In den 80ern nutzte das Buochser Unternehmen Tyro AG die Räumlichkeiten zur Produktion von Leim, viel zeitliche Haftwirkung hatte der Ort aber nicht, Tyro zog wieder aus. Das Werk lag brach, der Zahn der Zeit nagte, bis sich 2010 Zug Estates AG dem Areal annahm und das nachhaltige Grossbauprojekt Suurstoffi lancierte. Der markante Bau aus den frühindustriellen Anfängen wurde aufwändig renoviert und wird heute auf dem Areal als Vorschule und Mensa genutzt. Er setzt einen reizvollen architektonischen Kontrastpunkt zur umliegenden modernen Architektur und ist mit seiner festen Form Sinnbild für die flüchtige Geschichte und den Namen des Areals.